Ein gelungener Auftakt eines neuen Formats.

Nachbericht 1. VM4K-Hochschuldialog – 13. August 2026

 

Wie können Hochschulen und Versicherungswirtschaft gemeinsam mathematisch-analytische Nachwuchskräfte gewinnen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des ersten Hochschuldialogs des Fördervereins VM4K e.V. am 13. August 2026. Mit dem Hochschuldialog hat der VM4K ein neues Format geschaffen, das Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Versicherungswirtschaft und Aufsicht zusammenbringt und Raum für den Austausch über die Zukunft mathematischer Nachwuchskräfte bietet.

Der Anlass ist klar: Die Immatrikulationszahlen im Studienbereich Mathematik sind seit 2019 deutlich rückläufig. Zwischen 2019/20 und 2024/25 gingen die Zahlen in Mathematik um 24 Prozent zurück, in Wirtschaftsmathematik sogar um 29 Prozent.

Rückläufige Immatrikulationszahlen im Studienbereich der Mathematik

Gleichzeitig steigt der Bedarf an mathematisch-analytischer Expertise in der Versicherungswirtschaft.

 

 

Duale Studienmodelle als Brücke zwischen Hochschule und Praxis

Im Mittelpunkt des Hochschuldialogs stand der neue duale Studiengang Wirtschaftsmathematik am Campus Remagen der Hochschule Koblenz. Prof. Dr. Martina Brück und Prof. Dr. Claus Neidhardt stellten die Entstehung des Studiengangs vor und zeigten auf, wie Studium und berufliche Praxis enger miteinander verbunden werden können.
Ein wichtiger Impulsgeber für den dualen Studiengang Wirtschaftsmathematik war die Debeka. Das Unternehmen verfügt bereits über langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Hochschule Koblenz. Neben Praxisprojekten, Abschlussarbeiten und der Begleitung von Studierenden umfasst diese Zusammenarbeit auch gemeinsame Forschungsprojekte. Damit wurde deutlich, wie vielfältig Kooperationen zwischen Hochschulen und Versicherungsunternehmen gestaltet werden können.

Die Hochschule Koblenz möchte das Netzwerk der Praxispartner weiter ausbauen und ist offen für weitere Unternehmen, die sich am dualen Studiengang Wirtschaftsmathematik beteiligen möchten. Gerade für Versicherungsunternehmen bietet sich damit die Möglichkeit, frühzeitig mit mathematisch interessierten Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen und sie praxisnah während ihres Studiums zu begleiten.

Der Fachbereich Mathematik, Informatik, Technik am Campus Remagen verbindet mathematische, informatische und technische Inhalte. Im dualen Studiengang Wirtschaftsmathematik werden mathematische Grundlagen mit Aktuar- und Finanzmathematik sowie KI und maschinellem Lernen verbunden. Der Studiengang kombiniert mathematische Tiefe mit strukturierten Praxisphasen und bietet den Kooperationspartnern vielfältige Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung, etwa durch Wahlpflichtmodule, Forschungsprojekte und Abschlussarbeiten.

 

 

Mathematik im Zeitalter der KI

Eine spannende Frage des Austauschs lautete: „KI oder Mathematik studieren?“

Die Diskussion zeigte, dass dies kein Widerspruch sein muss. Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant und verändert viele Berufsbilder. Mathematische Grundlagen bilden jedoch eine wesentliche Basis für viele dieser Entwicklungen. Gerade im Zeitalter von KI bleibt ein fundiertes mathematisches Verständnis daher eine wichtige und zukunftsorientierte Qualifikation.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass jungen Menschen die vielfältigen Perspektiven eines Mathematikstudiums noch stärker vermittelt werden müssen. Neben klassischen mathematischen Tätigkeiten eröffnen sich heute zahlreiche Einsatzfelder an der Schnittstelle von Mathematik, Daten, Technologie und Wirtschaft.

 

 

Mathematik in der Versicherungsaufsicht

Eine weitere Perspektive brachte Dr. Lukas Krämer von der Bafin ein. Er gab Einblicke in die mathematischen Tätigkeiten innerhalb der Versicherungsaufsicht und zeigte damit ein weiteres mögliches Berufsfeld für Mathematikerinnen und Mathematiker auf.

Der Bedarf an (Wirtschafts-)Mathematiker:innen und bei der Bafin ist groß. Neben der Zusammenarbeit mit der Hochschule Koblenz bestehen auch Kooperationen mit weiteren Hochschulen. Die Tätigkeitsfelder reichen unter anderem von Solvabilität und Rechnungslegung über Rückstellungen bis hin zum Berichtswesen.

 

Mathematik in der Versicherungsaufsicht

 

 

Einblicke aus der Praxis

Bernd Heuft von der Debeka Allgemeinen Versicherung ergänzte die Hochschulperspektive um konkrete Einblicke aus der Praxis eines Kompositversicherers. Anhand einer Problemstellung aus der passiven Rückversicherung zeigte er, wie anspruchsvoll und vielfältig mathematische Fragestellungen in einem Versicherungsunternehmen sein können.

Dabei wurde deutlich, dass mathematische Expertise in der Versicherungswirtschaft in sehr unterschiedlichen Bereichen gefragt ist – von Kalkulation und Produktentwicklung über Reservierung und Rückversicherung bis hin zu Datenmanagement und Reporting.

 

Auch Philipp Bösch brachte eine persönliche Perspektive in den Austausch ein. Er studiert dual Wirtschaftsmathematik im Bachelor an der Hochschule Koblenz und absolviert den praktischen Teil seiner Ausbildung bei Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Er berichtete von seiner Begeisterung für Mathematik und seinen positiven Erfahrungen mit der Verbindung von Studium und praktischer Tätigkeit. Sein Beispiel machte anschaulich, wie ein duales Studium Theorie und Praxis verbinden und gleichzeitig frühzeitig Einblicke in das spätere Berufsfeld ermöglichen kann.

 

 

Offener Austausch und neue Impulse

Neben den einzelnen Beiträgen stand vor allem der offene Austausch im Mittelpunkt des Hochschuldialogs. Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Versicherungswirtschaft und Aufsicht brachten ihre Erfahrungen und Einschätzungen ein, stellten Fragen und diskutierten gemeinsam über mögliche Wege, mehr junge Menschen für Mathematik und ihre vielfältigen beruflichen Perspektiven zu begeistern.

Dabei zeigte sich, wie groß das gemeinsame Interesse an der Nachwuchsgewinnung ist. Insbesondere die engere Verzahnung von Hochschulen und Praxis bietet Chancen: Junge Menschen lernen mögliche Berufsfelder frühzeitig kennen, Unternehmen kommen mit mathematisch interessierten Studierenden in Kontakt und Hochschulen erhalten zusätzliche Impulse aus der Praxis.

Duale Studienmodelle können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Davon kann langfristig nicht nur die Versicherungswirtschaft, sondern auch das mathematische Fach insgesamt profitieren.

Der erste VM4K-Hochschuldialog war damit ein gelungener Auftakt für das neue Format. Der VM4K möchte diesen Austausch fortsetzen, neue Perspektiven zusammenbringen und die Vernetzung zwischen Hochschulen und Versicherungswirtschaft weiter stärken.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Martina Brück, Prof. Dr. Claus Neidhardt, Dr. Lukas Krämer und Bernd Heuft für ihre Beiträge sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die vielen Fragen, Erfahrungen und Perspektiven. Vielen Dank für die aktive Mitgestaltung unseres ersten Hochschuldialogs!

 

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. VM4K-Hochschuldialogs